Freitag, 15. März 2019

6 Monate verflogen: time is running


1. Was hat dir dein Freiwilligendienst bisher persönlich gebracht? (4. Bericht: Was hat er insgesamt persönlich gebracht?)
2. Wie würdest du dein eigenes Auftreten im Gastland sowie deinen Umgang mit kulturellen Unterschieden beschreiben?
3. Wie ordnest du deine (bisherigen) Erfahrungen im (entwicklungs-)politischen Kontext ein? Welche Aspekte von (Entwicklungs-)Politik beschäftigen dich derzeit und warum?
4. Was nimmst du dir für den weiteren Verlauf deines Freiwilligendienstes vor? (4. Bericht: Für die Zeit nach dem Freiwilligendienst als Schlussfolgerung daraus?)
5. Wie würdest du deine Rolle in der Einsatzstelle beschreiben? Welche Herausforderungen gibt es und wie gehst du damit um? Welche Ziele verfolgst du bei der Arbeit in deiner Einsatzstelle?

In den letzten drei Monaten hat sich wieder viel getan. Im Dezember bot sich mir als reicher privilegierter Weißer die Möglichkeit, in den Schulferien die meisten Länder Ostafrikas zu besuchen. Dank des sozialen Netzes der Freiwilligen, vor allem von VIA, konnte ich somit die meiste touristisch angehauchte Atmosphäre vermeiden, auf sämtliche Hotels oder Hostels verzichten, ohne große Umwege direkt mit privater Führung in den Lebensalltag der Leute vor Ort einsteigen – wenn auch nur für kurz. Ich konnte ihre Projekte besichtigen, sofort die lokalen Spezialitäten probieren, kleine versteckte preiswerte Restaurants kennen lernen, in die sich während meines Aufenthaltes kein anderer Tourist getraut hat.
Es war auch eine große Freude, Gesichter vom Vorbereitungsseminar wiederzusehen und zu beobachten, wie die Leute sich seitdem verändert haben. Für mich war es sehr interessant, den Freiwilligenalltag in den verschiedenen Ländern zu vergleichen. Der eine isst im Projekt, die andere geht immer günstig essen, und wieder ein anderer kocht ausschließlich selbst. Während der Aufenthalte konnten wir aktuelle Gedanken zu Politik und entwicklungspolitischen Zusammenhängen austauschen, sowie von bisherigen Erfahrungen erzählen.
Egal welche absurden Vorurteile die deutsche Gesellschaft mir bisher über Uganda, Kenia, Tansania und Ruanda einflößen wollte, jetzt habe ich dank der kurzen, aber intensiven Einblicke ein weitaus klareres Bild dieser Länder und kann aktuelle und künftige Nachrichten und Meinungen reflektierter betrachten und einordnen. Viele dieser Vorurteile haben natürlich stellenweise ihren berechtigten Ursprung, aber so generalisiert, wie ich sie zu hören bekomme oder bekam, gehören sie, meiner Meinung nach, schleunigst verworfen: „In Afrika haben die Leute es schwer.“, „In Kenia verhungern die Leute wegen einer Dürre.“, „Da muss man sich doch vor den wilden Tieren in Acht nehmen!“, und viele mehr. Diese Aussagen mögen zwar für einzelne kleine Regionen oder spezifische Krisengebiete stimmen, aber definitiv nicht für eine Milliarde Menschen auf einem Kontinent.
Dank einer Wanderung in Ruanda und der Aufforstungstätigkeit in meiner Einsatzstelle, glaube ich nach aktuellem Stand mein Traumstudium gefunden zu haben. Zu Beginn des Freiwilligendienstes hatte ich nur eine grobe Vorstellung, was ich mal studieren könnte. Diese Vorstellung hat sich gewandelt und spezifiziert. Danke für die Möglichkeit, VIA und PCCP.

Mein Auftreten im Land hat sich, glaube ich, kaum geändert. Ich versuche weiterhin, höflich und aufgeschlossen auf meine Umgebung zuzugehen. Während der Reise ist mir noch einmal klar geworden, wie groß die Unterschiede zwischen den ostafrikanischen Hauptstädten sind, auch im Vergleich zu Deutschland. Trotz der Unterschiede gibt es viele Dinge, die ähnlich ablaufen und ein Unterschied kann beispielsweise in Bezug auf das Essen auch sehr angenehm sein. Gerade Negativbeispiele von Freiwilligen, die ich von diversen Leuten aufschnappe, motivieren mich, dem negativ konnotierten Freiwilligenklischee so wenig wie möglich zu entsprechen.

In allen vier Ländern, in die ich hineinschnuppern konnte, fielen mir die ausländischen Investitionen auf. Am meisten kamen diese für mich in Ruanda zum Vorschein. Dort finanzieren China und die Weltbank gefühlt unzählige neue Straßen. Das ist im ersten Moment im Vergleich zu den holprigen Straßen in Uganda sehr angenehm und mag auch der Wirtschaft zugute kommen, aber soweit ich weiß sind diese Investitionen auch immer mit Bedingungen verknüpft. So hörte ich, dass chinesische Firmen in Dar Es Salaam leicht Fuß fassen können und die heimischen Geschäfte verdrängen. Ebenfalls soll der ugandische Präsident Yoweri Museveni, der natürlich (wie andere ostafrikanische „Herrscher“) seit mehreren Dekaden sein Amt nicht abgeben möchte, in Erwägung gezogen haben, einen ehemals großen Wald nahe Jinja an China zu verkaufen. Der Erlös gehe dann an die Regierung, die das Geld angeblich nicht weiter ans Volk leiten würde.
Ein Freund hat mal überlegt, zum Militär zu gehen. Neben einem verhältnismäßig guten Gehalt, würde man aber auch in UN Einsatzgebiete geschickt werden. Uganda stelle im Vergleich zu anderen UN Ländern besonders viele Soldaten. Das Geld, das Uganda dafür von der UN bekomme, sickere aber auch nicht weiter herunter als bis zu den oberen Regierungsschichten. Bei solchen Geschichten von Korruption werde ich immer stinkig.

Mithilfe des Besuchs eines deutschen Freundes, der bereits Deutsch als Fremdsprache unterrichtet hat, konnte ich nun in der dritten und vierten Klasse Deutschstunden anbieten. Ohne das Material, das ich von ihm erhalten habe, wäre das eine noch größere Herausforderung. So läuft es nun ganz in Ordnung. Natürlich ist das auf Anhieb nicht leicht und ich muss mir einige Gedanken zum Unterrichtsaufbau und zur Methodik machen. Ich bin gespannt, wie sich das entwickelt.
Moshins Ziel in Mpigi, 1200 Fruchtbäume zu pflanzen und eine weltweite grüne Vorbildschule zu gründen, kommen wir immer näher. Nach rund 7 Jahren Bauzeit (aus finanziellen Gründen und weil Moshin fast die einzige Triebkraft ist) hat sie nun endlich ihren Betrieb aufgenommen. Noch ist die Klasse sehr überschaubar, aber das werde sich vermutlich im nächsten Trimester ändern. Ich hoffe in den nächsten 6 Monaten Mithilfe des Pflanzens der Bäume, noch mehr in Bezug auf Permakultur und über (tropische) Wälder zu lernen und mir noch mehr Wissen anzueignen. Wie vorher erwähnt, hat sich mein Studienwunsch von (technischen) erneuerbaren Energien eher hin zur Waldbewirtschaftung auf internationaler Ebene gewandelt. Vielleicht kann ich durch das Wissen, das ich mir in Deutschland aneignen werde, dem Projekt auch noch in Zukunft eine Hilfe sein. Zudem wäre es wunderbar, ab sofort auch 2 Freiwillige zur neuen Schule in Mpigi zu entsenden.
Schwierigkeiten beim ganzen Anpflanzen und Gärtnern gibt es vor allem wegen der Nachbarn und Anwohner. Während das Nichtbetreten und das Nichtanfassen einer Anpflanzung in Deutschland meistens ein allgemeines Einvernehmen ist, gibt es jedenfalls bei uns noch ein wenig Nachholbedarf. So wird manchmal ein Blatt eines jungen Baumes von einer Ziege des Nachbarn angeknabbert, obwohl er diese eigentlich richtig anbinden sollte oder ein Beet von einer unachtsamen Person betretet.
Das ist insgesamt alles halb so wild und macht unglaublich viel Spaß. Ich bin gespannt, was die zweite Hälfte so zu bieten hat.
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Und nun ein paar obligatorische Fotos, die seit dem letzten Eintrag entstanden sind.
Moshin is taking me and the trees to the Fruit Forest School. The hoses, which fixed the basket on the motorbike broke and the basket with trees and food supplies fell on the road. Luckily, only one of the 24 trees died.

Meeting up with three Generations of PCCP volunteers at our place. About the half of my P4 class was also there.


Moshin is waiting for me to buy some amenvu (small bananas), obutungulu (onions) and tomatoes. This is shortly before the basket dropped on the road.

Well, now we have a sign, so everyone can find the school easily and get in contact via phone. 

The first class room is already in use! Next term many more students are expected.

This is what Ugandan soil looks like during the dry season if somebody has the brilliant idea to clear the ground. Without any plants protecting the soil, it gets too dry. Soon, this orange tree will protect the ground from strong sunlight. Planting crops below it will be easier, I think. Basicly we are experimenting with basic permaculture techniques.

This fruit tree probably is about 2-3 years old. Soon, one can already harvest some fruits. The car tire has helped it grow, but soon, it has to be removed.

Olli and I call it the "Trans-Punkbird". 

I am trying to establish a compost next to the kitchen. 

Somebody is burning his grass-land in order to "prepare it for agriculture". Well, yes it is an easy way to get rid of wild grass and so on, but the fire is also creating a lot of CO2 and it is killing many important insects in the ground. The best way to get rid of the grass is to bring a lot of animals to eat it and poop on the ground. Then ones crops would even grow faster. 
The children put some soil next to the school, Now we could plant some spices.




Moshin on the way to the school. It is about 8km away from Mpigi Town, The village is called Seeta. There you will find the new sign.

All Ugandan and Rwandan VIA volunteers have visited the school during an exkursion of the mid-term seminar. Here, Moshin is introducing Alex, Rama and Felix (the pioneers of PCCP, the first students from 12 years ago) to the group. These guys are running most of the school when Moshin is not there.

More trees. One leave has been eaten by a goat, it seems.

Moshin and I in Mpigi, at Raphael's project: SINA (Social Innovation Academy). They are building houses out of plastic bottles, for example (background).


Freitag, 25. Januar 2019

About trees and travel

Again, time (another month!) has passed by and it does not seem to stop running. By now, the trip through East Africa around Lake Victoria has come to an end and I have soaked in as many impressions and memories as a 1.80m large sponge can manage. In addition to the pictures below, I would like to give you a brief look at the cities and countries I have been priviledged enough to see. You will find it below the pictures.

At the moment, I am sitting below a tree in front of the new school in Mpigi, listening to the songs of countless birds. Therefore, I feel calm and creative enough to finally let you hear from me again.

In a few days the new school is opening its doors, so we have planted some more fruit trees (mango, orange, coconut and avocado). Moshin is dreaming of a fruit tree forest in front of the school, where the children can spend their breaks in a cool, calm, peaceful and delicious area. In the future we would like to put up hammocks too. I think there is no child which does not study better in a comfortable area.
At the moment we already have a couple grown trees (jackfruit, passion fruit, Avocado, mango, guave, banana), but also about 30 recently planted ones, as you can see in the pictures below.
If you like to support this dream, feel free to donate one for 2€ (including transport, planting, growing, etc.). You can decide which type it should be and where it should be planted. Just text me for the details. My contact information is on the right-hand side of the desktop version of the blog. Or add me on facebook (Leonard Kehlenbeck).

Felix came from Musanze (Rwanda) to Kampala, we went to Fort Portal, back to Kampala (Luganda Exam with 81 Points), Jinja, Nairobi (Ngong Hills), Dar Es Salaam, Zanzibar (Stonetown and westen coast), Dar Es Salaam, Kigali, Musanze (and Mount Karisimbi), Gisenyi, Musanze, Kampala. He, of course, stayed in Musanze.


We wanted to walk into a nearby forest in Mpigi, but there was private land in between. Therefore, we asked kindly. After a bit of talk, we did not have to pay, give them food nor water, just a simple picture.

Swimming in a crater lake near Fort Portal. It should not have any diseases, as it's above 1800m.

Ngong Hills

Ugandan shillings, Kenyan shillings, Ugandan shillings, Tanzanian shillings, Euros, Rwandan franc.
UG: 4200; K: 114; TZ:  2600; RW: 1000; EUR: 1

Hot springs in Gisenyi, at lake Kivu.

Jinja: 40x zoom into the daily work of people living (in this case) directly on the Source of the Nile.

Amazing flora around Karisimbi.

Peeling pees for the wedding in Ngong with short-term- and Via volunteers.

Wedding in Ngong (near Nairobi). We were not invited directly, but people seemed to be glad to have some white people around.

One of the 4 campfires of the soldiers protecting us tourists on Karisimbi. There are buffaloes and Kongolese in the woods.

Moshin with children living nearby in Mpigi.

On the Hills of Ngong with a clear view of Nairobi.

5:00 to 7:00 with 1000 more metres to the top (camp to summit). Surreal landscape. Super strange trees up to 4300m.

Freezing (literally) stormy top of Karisimbi. I could not feel my hands. Aaaand I could walk into the Kongo ... about 5m.

Oasis in between Kilimandscharo and Dar Es Salaam. It takes about 20h with the bus from Nairobi to Dar.

Downtown Dar Es Salaam. Incredible express-bus-system.

Planting incredibly precious trees. The neighbours's kids were happy to help. 

Our group after hiking for two days with about 4000m of ups and downs. Karisimbi is 4507m tall. In the background you see Mount Bisoke, wich is the vulcano nearby.

Permaculture Project on Zanzibar with German volunteers.


Ebbe tide on  Zanzibar. I would call it the tourist hotspot in Tanzania.


Brian and I in town. 

Oliver has arrived in Kampala a couple days ago. Here, his first rollex is prepared. Within the next weeks I will show him my daily life in Kampala.

Expo in the stadium in Musanze. Behind the vulcano you will come to Uganda.

A typical picture in Musanze, as well as in the other countries I have seen in East Africa.

Near Musanze, jumping through tea plantations with random children.


Feel free to ask for more pictures or a more detailed discription of any place or picture.

Samstag, 22. Dezember 2018

3 Monate verflogen


1. Was hat dir dein Freiwilligendienst bisher persönlich gebracht? (4. Bericht: Was hat er insgesamt persönlich gebracht?)
2. Wie würdest du dein eigenes Auftreten im Gastland sowie deinen Umgang mit kulturellen Unterschieden beschreiben?
3. Wie ordnest du deine (bisherigen) Erfahrungen im (entwicklungs-)politischen Kontext ein? Welche Aspekte von (Entwicklungs-)Politik beschäftigen dich derzeit und warum?
4. Was nimmst du dir für den weiteren Verlauf deines Freiwilligendienstes vor? (4. Bericht: Für die Zeit nach dem Freiwilligendienst als Schlussfolgerung daraus?)
5. Wie würdest du deine Rolle in der Einsatzstelle beschreiben? Welche Herausforderungen gibt es und wie gehst du damit um? Welche Ziele verfolgst du bei der Arbeit in deiner Einsatzstelle?

Es sollte nun der 84. Tag [2.12.18., mittlerweile 104. Tag] in Uganda sein und abgesehen vom Verlangen nach Vollkornbrot und den altbekannten Freunden, glaube ich, in meinem neuen Zuhause angekommen zu sein. Obwohl ich nahezu jeden Tag etwas zum ersten Mal sehe, tue, esse oder jemanden kennenlerne, fühlt es sich so an, als gebe es noch viel mehr zu lernen und zu sehen.
Um von den oberflächlichen Erfahrungen, die vermutlich ohnehin jeder Tourist macht, in eine andere Ebene des Kennenlernens und des Austauschens zu gelangen, muss ich mich ein Stück weit von meinen gewohnten Verhaltensweisen verabschieden. Das fängt schon beim Weg zur Schule an. Mit meinem typisch effizienzorientierten Gedanken schreitet mein deutsches Ich auf dem kürzesten Weg zur Schule. Zwar sehe ich dabei die vielen Menschen, die ihren alltäglichen Tätigkeiten nachgehen, aber so besteht keinerlei Bindung zu ihnen.
In den letzten Wochen habe ich versucht, mir stattdessen auch einmal etwas Zeit zu nehmen und mit dem mobilen Obstverkäufer, dem Chapativerkäufer, dem Bodafahrer und den Nachbarn auf der Straße ins Gespräch zu kommen. Plötzlich merke ich, dass jeder von ihnen wirklich hart für sein Geld arbeitet, oft härter als manch ein Arbeitnehmer in Deutschland. Man scheint gerne mal 12 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, 350 Tage im Jahr zu arbeiten. Trotzdem verdient ein Sicherheitsmann vor einem Bankautomaten nur rund 42€ im Monat und sieht seine Familie auf dem Land ein paar Tage im Jahr. Wenn ich so etwas höre, fange ich sofort an zu grübeln, woran diese große Differenz zu Deutschland liegt und wie man sie reduzieren kann oder ob es überhaupt möglich ist, sie zu reduzieren.
Gerade im Zusammenhang mit den geringeren Möglichkeiten und dem geringeren Lebensstandard Vieler, hinterfrage ich meinen gelebten Luxus in Deutschland und wertschätze ihn sehr. Zwar kann ich auf diesen Luxus zum Wohle des Klimas verzichten oder ihn reduzieren, aber hier in Uganda scheinen viele eben diesen Luxus anzustreben. Wie wird sich das Ganze in den nächsten Jahrzehnten entwickeln? Es steht fest, dass dieser Planet den von uns gelebten Luxus nicht für jeden bereitstellen kann. Damit die ärmsten Bevölkerungsschichten ein wenig mehr Luxus bekommen, müssen die reichsten Schichten folglich auf etwas verzichten. Kann das überhaupt politisch durchgerungen werden? Da stellen sich doch alle quer.

Als Weißer werde ich von den meisten Leuten selbstverständlich als Reicher eingestuft. Vergleicht man das Durchschnittseinkommen von rund 50€ mit dem Geld, das mir monatlich zur Verfügung steht, und den laufenden Kosten (Miete, Fahrtkosten, etc.), bin ich auch reich. Natürlich möchte ich nicht auf mein Geld reduziert werden. Wegen meiner Wertevorstellungen und wegen dieser Vorurteile bemühe ich mich, jeden Menschen, der mir begegnet, mit Respekt auf Augenhöhe zu begegnen. Im Sprachkurs lerne ich Luganda, in der Nachbarschaft setze ich mich häufig dazu, quatsche mit ihnen und grüße bekannte Gesichter. Ich möchte einfach höflich sein, auch wenn ich mal keine gute Laune habe. Kleinere Gestiken wie beim Handgeben versuche ich zu verinnerlichen. Mein Geld lasse ich so gut es geht nicht heraushängen. Ich kann mich gut mit der Erklärung retten, dass ich ja kein Gehalt bekomme, sondern die entstehenden Kosten vom deutschen Staat und den Spendern gedeckt werden. Danach geht bei vielen ein Licht auf: Nicht jeder Weiße hier kann mit dem Geld um sich werfen. Glaubt man den Dingen, die ich über zwei Ecken über mich gehört habe, scheine ich schon jetzt in meinem Viertel aus dem Schatten des Klischee-Weißen, der wohl möglich auch noch ständig unkontrolliert Party macht, gesprungen zu sein. Andere Weiße nehmen sich angeblich nicht die Zeit, sich zu seinen Nachbarn zu setzen, Tee zu trinken, Gemeindetreffen zu besuchen und so weiter. Man lebe aneinander vorbei. Das möchte ich nicht.
Kulturelle Unterschiede nehme ich gar nicht so sehr wahr. Es scheint, als wären sie mittlerweile Alltag. Ich nehme sie so hin, wie sie sind und komme damit auch gut zurecht. Viele von ihnen kann ich sogar sehr wertschätzen. Diejenigen, die vielleicht nervig sind, lasse ich größtenteils so stehen. Konstruktiver ist es ohnehin, die Gemeinsamkeiten zu suchen.

Wie bereits erwähnt, interessieren mich aktuell besonders die kommenden Jahrzehnte. Wo wird Uganda dann stehen? Wie wird es sich bis dahin verändern? Dabei stelle ich mir auch die Frage, ob es nicht einfach besser wäre, Uganda Uganda sein zu lassen und eben nicht von Seiten der USA, Europa und China kontinuierlich in der Politik und nahezu allen Aspekten des Lebens herumzupfuschen. Wenn nämlich ständig Geld und Einfluss aus dem Ausland kommt, wird derjenige an der Macht bleiben, der sich diese Geldgeber am besten zu Nutze macht und nicht der, der mit den zur Verfügung stehenden Mitteln das Land regiert und verbessert.
Andererseits scheint im Beispiel Rwandas das Geldgeben auch positive Aspekte zu haben: im ganzen Land frisch ausgebaute Straßen, staatlich registrierte und kontrollierte Transportmittel und solidere Voraussetzungen, ein Unternehmen zu gründen.
Bevor die Frage nach dem Richtig oder Falsch in Bezug auf das Geldgeben geklärt ist, bin ich definitiv der Meinung, dass das Konzept des Freiwilligendienstes gut ist. Hier wird das Geldgeben und Manipulieren im größeren Maßstab außen vor gelassen und lediglich auf kleinster Ebene in den Dialog und Austausch getreten und Freundschaften geschlossen. Es gibt kein Gefälle, man befindet sich als gemeinsame Mitarbeiter in einer Schule auf einem Niveau.

In den nächsten Wochen möchte ich in möglichst kurzer Zeit ein wenig von den anderen ostafrikanischen Ländern sehen, um Uganda und Kampala besser in einen Kontext rücken zu können. Direkt im Anschluss werde ich meine Zeit der Fertigstellung der neuen Schule in Mpigi widmen, sodass die erste Klasse im Februar zügig in den ersten Term starten kann. Ich hoffe, dass auch dort in den kommenden Jahren weitere Freiwillige eingesetzt werden können.
In Kampala hoffe ich, dass mir noch mehr simple Ideen, die den Schulalltag dauerhaft verschönern, einfallen. Die selbstgebauten Memory Spiele und die selbstgebauten Schachbretter scheinen sich bereits fest etabliert zu haben. Auch wenn ich das Projekt verlasse und ein Brett kaputt geht, werden die Kinder und die anderen Lehrer wissen, wie man die Teile ersetzt und nie vergessen, wie man die Spiele spielt. Zudem werden selbstgebaute Spiele mehr wertgeschätzt als gekaufte. Seit einigen Wochen muss ich die Spiele gar nicht mehr erklären, denn die Kinder bringen sie sich nun gegenseitig bei. In Dame gewinne ich nun auch gar nicht mehr.
Außerdem hoffe ich, auch noch mehr von der Kommunalpolitik, wie in dem Gemeindetreffen, mitzubekommen und noch mehr einer von Vielen zu werden. Mithilfe des Blogs und persönlichen Nachrichten möchte ich zudem weiterhin die altbekannten Afrika-Klischees richtigstellen und im besten Fall verwerfen. Manche Leser im Bekanntenkreis hatten oder haben bisher keine andere Perspektive von Uganda als die Gräueltaten der Vergangenheit und die allgegenwärtige Armut, Hunger, Gewalt und Krankheiten ohne Ärzte. Man soll auch die Fortschritte und positiven Aspekte sehen können.

Im Projekt bin ich definitiv ein vollwertiger Teil der Crew geworden. Das Schöne ist, dass keiner über einem anderen stehen soll. Trotz des sehr bescheidenen Schulgebäudes fühle ich mich dort sehr wohl und bleibe auch gerne mal länger und koche mit den anderen in der Schule. Abgesehen von ungefragt ausgeliehenen Schachbrettern und verlorenen Figuren gab es für mich bisher keine Probleme oder Konflikte.

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Das hier war der erste Bericht von vieren, die ich nach jedem Quartal zur Selbstreflexion schreiben muss. Fragen?

Donnerstag, 20. Dezember 2018

Some figures of Uganda and Germany

Have a look at the life expectancy, average age, BIP and some other facts. This table is a couple years old, though. I updated the most obvious ones. Your browser should be able to translate it.
ParameterUgandaDeutschlandUSA
AmtspracheEnglisch, Suaheli, LugandaDeutschEnglisch
HauptstadtKampalaBerlinWashington
StaatsformPräsidialrepublikParlamentarische RepublikPräsidiale Bundesrepublik
StaatsoberhauptYoweri Kaguta MuseveniBundespräsident Frank-Walter SteinmeierPräsident Donald J. Trump
RegierungschefRuhakana RukundaBundeskanzlerin Angela MerkelPräsident Donald J. Trump
Fläche241.548 km²357.092 km²9.826.630 km²
Einwohnerzahl30.6 Mio82.4 Mio303.4 Mio
Bevölkerungsdichte119 EW pro km²231 EW pro km²31 EW pro km²
BIPUS-$ 8,9 Mrd. (2005)US-$ 3.045 Mrd. (2006)US-$ 14,084 Mrd.
BIP / EinwohnerUS-$ 300 (2005)US-$ 36.975 (2006)US-$ 46,460 (2007)
Menschen unterhalb der Armutsgrenze (2001*)35 %11 %12,4 % (2004)
Arbeitslosenrate6 %10,1 %4,6 %
Inflationsrate6 %1,7 %2,7 %
WährungUgandischer Schilling 4200 Ush = 1 EUREURO 1 EUR = 4200 Ush.US-Dollar 1 $ = 3700 Ush
Lebenserwartung52 Jahre78,8 Jahre78,2 Jahre
Geburtsrate (2006*)48,12 / 1.000 Einw.8,25 / 1.000 Einw.14,2 / 1000 Einw.
Sterblichkeit (2006*)12,64 / 1.000 Einw10,62 / 1.000 Einw.8,3 / 1000 Einw.
Kindersterblichkeit (2006*)62,22 / 1.000 Lebendgeb.4,12 / 1.000 Lebendgeb.6,3 / 100 Lebendgeb.
Bevölkerungswachstum (2004)3,3 %-0,02 %0,88 %
Fruchtbarkeit (2007*)6,84 Kinder / Frau1,4 Kinder / Frau2,1 Kinder / Frau
Alters-Struktur: 0-14 Jahre 15-64 Jahre 65 Jahre und mehr50,2 % 7,6 % 2,2 %14,1 % 66,4 % 19,4 %20,1 % 67,1 % 12,7 %
Altersdurchschnitt:14,9 Jahre43 Jahre36,6 Jahre
HIV/AIDS-Rate (2003/2001)4,1 %0,1 %0,6 %
Lese- und Schreibfähigkeit nach Erreichen des 15. Lebensjahres (2001)69,9 %99 %99 %
Quellenhttp://www.indexmundi.com/uganda/,http://www.indexmundi.com/germany/,http://indexmundi.com/united_states/
*geschätzt
At the moment Felix and I are on Zanzibar. Keeping our plans mentioned in the last post in mind, we've already been to Fort Portal, Jinja, Nairobi and Dar Es Salam. When I am back in Kampala, I'll give you a quick review with lots of pictures.

My third coconut on Zanzibar and I already love to drink them. They cost 1000 TZS, which is 1600 UGX or 0.38€.

In Jinja we stayed with other Via volunteers. Some fishers taught me how to fish... Thanks a lot, Nixon. 

Samstag, 1. Dezember 2018

Saying farewell...

The term is coming to an end and I have marked all exams. Hopefully all students in P4 will make it to the next school smoothely. 
To round up this term and say the class farewell, I have invited them to my house today. We cooked, ate, laughed, the children showered like a typical "Mzungu" for the first time, played and, of course, we took a lot of pictures. Dispite the mess and noise, this was a great day for all of us, I think. 
Soon, there won't be any lessons for two months. This gives me, a priviledged white person, the opportunity to travel through the East African Union. Felix, another VIA volunteer from Musanze (Rwanda), has already arrived in Kampala. If everything goes as planned, we will visit other volunteers from VIA in Fort Portal (Uganda), Jinja (Uganda), Nairobi (Kenya), Dar Es Salam (Tanzania), Zanzibar (Tanzania) and Kigali (Rwanda). The well-educated reader might already realise: this is a huge distance and a circle around Lake Victoria. Especially in comparison to this year's long-distance trip through northern Europe (mentioned in an earlier post; Germany, Denmark, Sweden, Norway, Arctic Circle, western Norway, Sweden, Denmark, Germany), this will be very interesting.


First and hopefully not last class picture. Some of the neighbours photo-bombed this one... 

Losing in draft (German: Dame) against Hafuswa. Living room. 

Rope skipping in front of my house with my students. 

Playing a couple days before the final exams. 

I seemed to be the first white person who has visited a neighbourhood meeting "Village Meeting" here in Nsambya, Kirombe. Even though I've been learning Luganda for only two months now, I managed to understand a bit. This meeting definitely had a lot of discord. In this picture you see the chairman for our area. Next to him there is the new police officer for our area. Some of the topics people discussed about: rubbish disposal, safety and security, paying bills. The chairman is also the shop owner of a shop only a few metres away from my gate.


The man who has been pulling the strings and keeping this project alive for more than 12 years now: Moshin. 

A special dancing event organized by other volunteering people. 

Purchasing beans, spices and rice and basicly everything at Owino Market in town. We needed a lot for so many children. 


New decoration for my wall. 

No words...